Bericht Rumänien 2011

Polizeiliches Einschreiten mal ganz anders . . .

2 Mitglieder der VPI Nürnberg als Weihnachtstrucker 2011 in Rumänien





Viele kennen den Begriff „Antenne Bayern – Weihnachtstrucker“ . Was vor mehr als 15 Jahren von Angelika
Dämmerschmidt von Antenne Bayern gegründet worden war, wird seit Sommer 2011 nur noch von der Johanniter Unfallhilfe weiterbetrieben, weil der Radiosender seine Mitarbeit aufgegeben hat.

Unterstützt vom Autozubehörhändler ATU und der Supermarktkette LIDL sammeln die Johanniter bayernweit und in angrenzenden Bundesländern Geschenkpakete für die Ärmsten der Armen in Ländern wie Albanien, Bosnien, Mazedonien, Rumänien und auch zweimal sogar in Moldawien.

Durch den Ausstieg des Radiosenders stand diese Hilfsaktion kurz vor dem Aus, weil niemand sich vorstellen konnte, wer denn die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen und finanzieren sollte. Erst im November entschloß sich die Leitung der Johanniter in München, dass es einfach nicht sein kann, dass die Weihnachtstrucker so sang- und klanglos einschlafen. Finanziell hatte man sich in Ismaning schon lange nicht mehr engagiert, ATU und LIDL erklärten sich zum Weitermachen bereit und die ganze Arbeit hatten sowieso schon immer die freiwilligen Helfer der Johanniter geleistet ( so kostete der Weihnachtstrucker 2010 z. B. über 130 000 Euro, die von der Johanniter Unfallhilfe ganz allein durch Spendengelder übernommen wurden !). Irgendwie würde man es schon schaffen . . .

Was soll man sagen, auch ohne jede Radiowerbung kamen sage und schreibe über 40000 (!) Pakete bei ATU und LIDL, bei Feuerwehren, Kindergärten, Firmen und Schulen zusammen, die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung Bayern hat sich zu einem sagenhaften Selbstläufer entwickelt !

Was macht diese Hilfsaktion eigentlich so besonders ? Zum Einen gibt es zahllose Lkw-Fahrer, die Ihren Urlaub zwischen Weihnachten und Silvester für diese Fahrten opfern und nicht mit ihren Familien feiern und zum Anderen stellen Speditionen ihre Fahrzeuge für die Transporte zur Verfügung. Noch mehr zählt aber für die Spender die Tatsache, dass die Pakete nicht in Lagerhallen gestapelt werden und kein Mensch weiß, was damit passiert, sondern dass die Trucker ihre Ladung den Hilfsbedürftigen direkt in die Hand geben ! Genau das ist das große Erlebnis für die Lkw-Fahrer, sonst könnte man die Pakete auch mit der Bahn schicken. Nicht umsonst gibt es Wartelisten für Trucker, die gern mitfahren würden !

Nachdem der Autor bereits 2008 und 2009 mit Dieter HORST von den Johannitern Nürnberg in Moldawien war, gelang es dieses Jahr, eine reine Polizeibesatzung aufzustellen. Sven Holjewilken vom Schwerverkehrstrupp der VPI Nürnberg wollte es auch einmal versuchen und so starteten wir am frühen Morgen des 2. Weihnachts-feiertages nach Landshut, wo sich alle Lkws und Begleitfahrzeuge zur zentralen Verabschiedung treffen wollten. Unser Fahrzeug war ein 40-Tonnen-Sattelzug, der freundlicherweise von der Spedition Oskar Bezold in Igens-dorf zur Verfügung gestellt worden war und den ich am Morgen des Heiligen Abends bei LIDL in Augsburg beladen hatte.

So mancher Trucker oder Zuschauer erkannte erst auf den 2. Blick, dass auf unseren gelben Jacken nichts von den Johannitern stand. Aber die Lkw-Fahrer nahmen uns trotz der vermeintlichen „Konkurrenz“ herzlich auf und wir haben viel gelacht.

Auf einem großen Festplatz in Landshut erfolgte die Aufteilung der zahlreichen Lkws in die Konvois für den verschiedenen Länder, Sven und ich fuhren mit Lorand Szüszner von den Johannitern Lauf als Konvoi-Chef in den Norden Rumäniens. Aber zunächst stellten sich alle Lkws und Begleitfahrzeuge auf dem Marktplatz dieses schönen Stadt auf, wo es sich auch viele Landshuter Bürger nicht nehmen ließen, uns auf die große Fahrt zu verabschieden.

So machten sich mittags 14 Lkws und 4 Begleitfahrzeuge auf die ca. 1400 km lange Reise nach Siebenbürgen, darunter ein Sprinter aus Lauf mit Material wie Streusalz, Werkzeug aller Art, Getränke und Verpflegung und ein Vito der Johanniter aus Memmingen, der mit 3 jungen Helfern aus Kempten und unserer Susi aus Roßtal besetzt war. Vom Ehrenbürg-Gymnasium in Forchheim fuhr sogar ein Mathe- und Physiklehrer mit, der für seine Schule den Verbleib der dort gesammelten Pakete dokumentierte, sein Bericht und seine Fotos sind schon auf der homepage der Schule zu finden. Ein Lkw mit Tieflader brachte sogar gespendete Beton-Kanalisations-teile für ein Jugendprojekt in Rumänien mit auf Tour. Über die Autobahn ging es über Deggendorf zur Raststätte Donautal kurz vor der österreichischen Grenze, um für alle Trucks die sog. „Go-Box“ für die österreichische Autobahngebühr auszuleihen. Sage und schreibe 14 x 272,- Euro für Hin- und Rückfahrt. Unsere erste Pause erfolgte traditionell kurz hinter Linz im Autohof Oed, wo wir auch tankten. Anschließend ging es weiter über Wien nach Budapest und am späten Abend erreichten wir schließlich eine Raststätte mit Motel, wo wir für die Nacht rasteten.

Am Morgen des 27.12.11 ging es kurz darauf von der Autobahn ab und für den restlichen Streckenabschnitt in Ungarn über sehr gut ausgebaute Europastraßen zur rumänischen Grenze kurz vor Oradea. Wettermäßig hatten wir bis dahin Glück und wir kamen auf trockenen Straßen sehr gut durch die flache ungarische Puszta. Wie an der ungarischen Grenze mussten wir auch hier einen längeren Stopp einlegen, damit unser Konvoi-Chef Lorand für alle Fahrzeuge die Straßenbenutzungsgebühren bezahlen konnte.

Auf nun deutlich schlechteren Straßen ging es an Oradea vorbei und über den ersten kleinen Paß Richtung Klausenburg (Cluj), wo uns bereits Polizeistreifen erwarteten, so dass wir ohne anzuhalten mit dem ganzen Konvoi die Stadt umrunden konnten. Lorand Szüszner kennt halt einfach in Ungarn und Rumänien nach über 20 Jahren Hilfstransporte in diese Länder fast alle Polizeipräsidenten und braucht für solche Aktionen einfach nur anzurufen. In Bayern übernehmen solche Aktionen die fleißigen Helfer des THW. In Rumänien wundert sich schon lange niemand mehr, wenn deutsche Johanniter-Fahrzeuge z.B. Kreisverkehre und Kreuzungen sperren, um einen Lkw-Konvoi durchzulassen. Lkws, die mit Blaulicht ankommen. Schade, dass es das in Bayern nicht gibt.

Nach wie vor ging es bei knapp über 0 Grad Celsius und trockenen Straßen in die immer hügeliger werdende Landschaft bis Bistritz, der Bezirkshauptstadt unseres Zielgebietes. Unsere Sorge, dass es am Tihuta-Paß vielleicht Schnee geben könnte, wie wir das schon gewohnt sind, bestätigte sich nicht und erneut unter Polizeibegleitung düsen wir bis zur Passhöhe und am Dracula-Schloß-Hotel vorbei zu einem großen Parkplatz,
wo unsere Fahrzeuge für die nächsten 2 Nächte stehen blieben und von der Polizei bewacht wurden. Wir haben unser Ziel erreicht und freuen uns schon aufs Abendessen im Jugendheim einer Organisation namens „Tasuleasa Sozial“. Dieses Projekt wurde von Lorand Szüszner – schon wieder dieser Name, was macht der eigentlich noch alles ? (Vgl. die Nürnberger Nachrichten v . 30.12.11) – und Alin Uhlmann-Useriu gemeinsam aufgebaut und wurde deshalb gegründet, weil die rumänischen Behörden nicht gestatteten, dass die Johanniter aus Lauf a. d. P. in ihrem Land Besitz erwerben. So entstand das Jugendheim auf eigenem Grundstück in wunderschöner Landschaft der Karpaten aus Spendengeldern und Material sowie Arbeitsleistung durch deutsche Johanniter-Helfer und wird schon seit mehr als 10 Jahren auch von Nürnberger Gymnasien zum Jugendaustausch genutzt. Diese Einrichtung kann 24 Personen unterbringen und der Rest unserer fast 40 Personen zählende Gruppe konnte zu einem Sonderpreis im Dracula-Hotel unterkommen.

Alin und seine jungen freiwilligen Helfer übernehmen jetzt für 3 Tage unser Frühstück, Abendessen, den Shuttle zwischen Jugendheim und unseren Fahrzeugen bzw. unserem Hotel und wir werden auf das köstlichste mit einheimischen Spezialitäten bewirtet ! Tagsüber begleiten sie uns beim Verteilen und packen auch hier kräftig mit an. Eine tolle Gruppe ! Vielen Dank noch mal dafür !

Aufgrund der Tatsache, dass die Aktion 2011 so kurzfristig auf die Beine gestellt wurde, musste das Verteilen der Pakete auf 2 Tage verteilt werden. Man muß bedenken, dass die Kinder in den Schulferien sind und allein die Verständigung der Schulen und Lehrer mehrere Tage dauerte. Insgesamt konnte Alin fast 1000 Helfer bei Polizei, Bereitschaftspolizei und Rettungsdiensten organisieren, ohne die das Verteilen gar nicht möglich gewesen wäre. Auf jeden Fall freuten wir uns auf unseren „Lohn“, dass wir die Pakete direkt in Kinderhände bringen können !

Am 28.12.11 fuhren 3 Lkw mit Polizeischutz weiter über den Tihuta-Paß Richtung Osten. Sven und ich begleiteten sie im privaten Pkw von Dieter HORST , der tatsächlich auf eigene Kosten mitgefahren war. Für rumänische Verhältnisse trafen wir auf Kinder und Familien aus dem Mittelstand. Trotzdem leben sie in Einkommensverhältnissen, die sich unsereins gar nicht vorstellen kann und die Schulen befinden sich in einem Zustand wie in Deutschland vor 100 Jahren ! Äußerst diszipliniert und gesittet warteten die Kinder mit ihren Müttern am Lkw, bis ihre Namen von ihren Lehrerinnen aufgerufen wurden und sie mit einem Lächeln ihre Pakete endlich in Händen hielten. Den Müttern liefen oft die Tränen vor Rührung. Wer mag, kann sich unter www.weihnachtstrucker.de von Andreas Jutzi aus Ochsenfurt, -natürlich auch ein Fahrer unseres Konvois, nicht nur aus dem Jahr 2011/12 Berichte und Fotos von Land und Leuten und unserer Aktion ansehen !

Einen Teil unserer Pakete lagerten wir in eine Halle der „Tasuleasa Sozial“ ein. Die Verteilung kann unter anderem erst später erfolgen, weil es mit dem Lkw nicht möglich wäre, in die entlegensten Bergdörfer zu gelangen, die Bevölkerung dort keine Fortbewegungsmittel besitzt und zu Fuß wäre es zu weit. Der Transport dieser Pakete erfolgt in den nächsten Tagen durch die Unterstützung eines Jeep-Clubs aus Bistritz, die ihre geländegängigen Fahrzeuge einsetzen.

Am Nachmittag fuhren wir zurück zum Parkplatz an der Passhöhe und wurden dort von der Fa. Appl überrascht.
Diese Firmengruppe (Druckereien) in persona seines Chefs Markus Appl hatte 470 Pakete bezahlt, in der Firma packen lassen und für den Weihnachtstrucker 2011 auf eigene Kosten 3 Sattelzüge zur Verfügung gestellt. Markus Appl fuhr selbst mit. Einer seiner Mitfahrer ist der Geschäftsführer der Würzburger Filiale, der nur für den Weihnachtstrucker den Lkw-Führerschein gemacht hat und ebenfalls mit von der Partie war. Am Parkplatz erwarteten sie uns mit heißem Pichelsteiner und Gulaschsuppe. Wie es der Zufall will, hat Markus` Mutter eine Brauerei und so waren die Palettenkästen der Trucks mit Holztragerln mit Hellem und Weizen gut gefüllt. Jetzt wissen Trucker aus ganz Bayern, welch tolles Bier aus der Schlossbrauerei Alerheim kommt. Vielen Dank, Markus !

Am 29.12.11 ging es dann zur großen Verteilung zurück nach Bistritz. Über Nacht hatte es ein wenig geschneit,
aber die Straßen waren frei. Dieter und ich erinnerten uns an eine Fahrt, wo wir vom ersten bis zum letzten Tag nur durch dichtes Schneetreiben und auf schneeglatten Straßen unterwegs waren. So gesehen, war es dieses Jahr eine Erholungstour.

In Bistritz trafen wir mit unseren Lotsen und Helfern der dortigen Verkehrspolizei, der Bereitschaftspolizei und der Rettungsdienste zusammen, wurden in Einzelkonvois aufgeteilt und machten uns auf den Weg zu unseren jeweiligen Tageszielen. Mit einem Streifenwagen und 2 Begleitfahrzeugen des Jeep-Clubs fuhren wir von den Hauptstraßen weg und in nördliche Richtung hinein in die Berge um Zagra. Hier ist man wieder im „alten“ Rumänien und auf Bundesstraßen unterwegs, die bei uns wegen Unbefahrbarkeit geschlossen würden. Zum Glück ist auch in Rumänien kein richtiger Winter, sonst hätten wir Zagra und die beiden Dörfer im Anschluß gar nicht anfahren können.

Auch in Zagra dasselbe Bild. Vor der Schule warteten die Klassen geschlossen mit ihren Lehrern, bis sie aufgerufen werden und unsere 4 Bereitschaftspolizisten und der Dorfpolizist sorgen für Sicherheit. Das soll nicht unerwähnt bleiben, dass es in früheren Jahren schon vorgekommen ist, dass die Bevölkerung einen Lkw fast geplündert bzw. vor Ungeduld gestürmt hat. Auch heuer ist es so, dass die Kinder und Eltern am liebsten in den Lkw krabbeln würden ! Aber der Dorfpolizist hat jetzt ein „Polizei-Pfeiferla“ aus Nürnberg und kann die Ordnung aufrecht erhalten. Hier lernen wir den sehr netten Rektor kennen, der uns bereitwillig seine neue Schule zeigt. Wir wundern uns, denn wir erkennen, dass man die verrotteten Fenster der alten Schule eingebaut hat. . .

In der Zwischenzeit beladen wir auch immer wieder die beiden Jeeps, die gleich in die Seitentäler fahren und dort Pakete zu den Kindern bringen. Dann helfen auch die Polizisten beim Ausladen und so kann uns der Dorfpolizist seine Dienststelle zeigen, ausgerüstet mit neuester Technik und sein Streifenfahrzeug. Mit Digitalfunk ! Da war doch was . . .

Nun erfahren wir, dass wir noch 2 Ausladestellen haben und in diese Dörfer geht es auf unbefestigten Straßen durch Schotter und Matsch. Halt Feldwege. Unser Dorf-Schandi erklärt uns, daß es aber kein Problem wäre und wir auch mit dem Sattelzug wenden können. Wir glauben ihm, Sven muß sogar bei ihm mitfahren. Anschnallen darf er sich nicht, denn schließlich säße man ja in einem Polizeiauto !

Nach ca. 6 km Schlamm und Schotter erreichen wir ein Dorf und die blanke Armut. Nur die wenigsten Häuser haben Strom, aber keines fließendes Wasser und Kanalisation gibt es im ganzen Tal nicht. Wir sprechen mit unseren Jeep-Fahrern und sie erklären uns, dass es für die Bewohner keine Arbeit gibt und sie von nächtlichen
Holzdiebstählen leben müssen. Ein Ster Holz kostet in Rumänien übrigens dreimal soviel wie in Deutschland.
Auch hier läuft alles gesittet ab, wir können uns nicht sattsehen und ausreichend mitfreuen, wenn Kinder das erste Mal in ihrem Leben eine Tafel Schokolade in der Hand haben und sie auch noch behalten dürfen. Es sind unglaubliche Momente, die wir sicher nicht vergessen werden !

Irgendwann fällt Sven und mir auf, dass etliche Mütter mit Kindern in schulpflichtigem Alter daneben stehen und keine Pakete bekommen. Auch durch Betteln erreichen sie nichts und müssen abziehen. Wir erfahren dann,
dass nur Kinder Pakete bekommen, die auch in die Schule gehen ! Aus Erfahrung wird man schlau, sagt man uns. Früher wurden die Mütter gefragt, wie viele Kinder sie haben und bekamen dann die entsprechende Anzahl der Pakete. Das lief dann ab wie beim Begrüßungsgeld nach der Wende: Die Mütter liehen sich untereinander die Kinder aus und steigerten so den Ertrag deutlich. Wir hören vom Rektor in Zagra, wo wir auf der Rückfahrt zum Essen eingeladen sind, dass speziell Zigeuner ihre Kinder nicht zur Schule anmelden, weil sie einfach zu
weit weg vom Schuß leben und sie nicht jeden Tag bringen können oder wollen. Er hat an diesem Tag erreicht, dass eine Mutter ihre 5 Kinder anmeldet und glücklich mit 5 Paketen abziehen kann ! Das ist doch auch ein Erfolg !

Im letzten Dorf unserer Tour stehen wir dann doch vor dem Problem, dass ein rumänischer Dorfpolizist nicht abschätzen kann, wie viel Platz man mit einem Sattelzug zum Wenden braucht, weil er meist nur mit Pferde-fuhrwerken zu tun hat. Da wir aber kein Brückengeländer abbauen wollen und keine Planierraupe zum Geländebegradigen haben, hilft uns spontan der Fahrer eines Lkw und zieht unseren Sattelauflieger mit einem Drahtseil auf der Stelle herum. Wenn das Oskar Bezold gesehen hätte !

In diesem Dorf zeigt sich dann die ganze Tragik der Bevölkerung dieses Tales, als wir eine alte Frau im Bach und im Dreck stehen sehen, die dort ihre Wäsche wusch. Die Verteilung lief gewohnt ordentlich und die meisten können mit Paketen abziehen. Hier fällt uns dann auf, dass die Lehrer ja keine Pakete bekommen und verteilen auch an sie. Sie freuen sich wie die kleinen Kinder ! Unsere Lotse vom Jeep-Club ruft gleich den Rektor in Zagra an und meldet, dass wir auf der Rückfahrt bei ihm noch mal anhalten und die Pakete für seine Lehrer und ihn abgeben werden. Daraus wird dann eine Einladung zum Essen. Auch unsere Bereitschaftspolizisten erhalten bereits in Zagra ihre Pakete. Wir wissen ja nicht, wie das bei ihren Vorgesetzten in Bistritz ankommt, wenn wir damit auf dem Parkplatz anfangen, wo wir uns morgens getroffen hatten. Auch unser Rettungssanitäter bekommt ein Paket.

So kommen wir abends bei Dunkelheit wieder zurück in die Bezirkshauptstadt. Wir sind müde, fühlen uns aber wunderbar ! Deswegen machen wir das ! Auch von den anderen Teams hören wir deren spezielle Erlebnisse. Wie wir wurden die Weihnachtstrucker überall sehr herzlich aufgenommen. Wir kennen die Diskussion darüber, ob es in Deutschland nicht auch genügend Bedürftige gäbe, für die man spenden könnte. Aber wer die Dörfer im hintersten Transsilvanien gesehen hat . . .

Unsere Lkw bleiben über Nacht bewacht in Bistritz und der Landrat hat einen Bus gesponsert, der unsere Gruppe zurück zu unserem Hotel und dem Jugendheim bringt.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Landrat , wo er uns zusammen mit den Chefs aller Polizeitruppen und der Feuerwehr, den Schulräten und Vertretern von Presse und Fernsehen zur Verabschiedung erwartet. Nach einem Gläschen Sekt und einem Gruppenfoto vor dem Amtssitz kehren wir zu unseren Trucks zurück, um die Heimfahrt anzutreten. Mit leeren Fahrzeugen geht es doch etwas flotter als auf der Hinfahrt. Bei Klausenburg warten auch schon wieder die dortigen Verkehrspolizisten und bringen uns schnell weiter. Wider Erwarten können wir die Grenze nach Ungarn recht flott passieren und treffen uns mitten in der Puszta an einem Restaurant zum letzten gemeinsamen Abendessen.

Hier bleiben einige der Trucker nur kurz und fahren weiter, um ganz sicher an Silvester daheim anzukommen. Unser Konvoichef und seine Frau sowie die Besatzungen unserer Begleitfahrzeuge entschließen sich, in der Nähe von Budapest in einem Motel zu übernachten. Sven und ich wollen noch weiter Richtung Österreich, wir haben doch noch einige Stunden Lenkzeit übrig. Durchfahren wie einige anderen werden wir mit Sicherheit nicht ! So kommen wir bis St. Pölten und schlafen dort.

Am nächsten Morgen treffen wir noch die 3 Sattelzüge von der Fa. Appl beim Frühstück und erreichen kurz vor
15 Uhr an Silvester wieder Nürnberg.

Alle Konvoimitglieder kamen rechtzeitig und unfallfrei zum Feiern heim und haben wieder viel zu erzählen. Keiner bedauert seinen Entschluß mitgefahren zu sein und einige haben Lorand Szüszner schon aufgefordert, ihre Namen für 2012 aufzuschreiben. Sven und ich werden 2013 wieder mit von der Partie sein.

Mit den Verantwortlichen der Johanniter in Nürnberg werden wir dieses Jahr deutlich früher mit den Vorbereitungen anfangen. Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht auf irgendeinem Weg
noch Verbesserungen für den „Weihnachtstrucker“ erreichen könnte, oder ? Mautkosten in den beteiligten Ländern sparen, zeitaufwendige Zollkontrollen an den Grenzen vermeiden oder noch zahlungskräftige Firmen finden, die sich an den Kosten beteiligen ? Oder einen Radio- oder Fernsehsender, der auch mal ein Team mit vor Ort schickt und vorher kräftig die Werbetrommel rührt ? Haltet uns die Daumen ! Das Engagement der Spender, der vielen freiwilligen und vor allem ehrenamtlichen Helfern bei ATU, LIDL, der Fahrer und last but not least bei den Johannitern sowie die glücklichen Kinder in den ärmsten Ländern Europas haben es verdient ! !

(c) Erich Schweigert
VPI Nürnberg
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