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 | Bericht Rumänien ATU Convoy - 2009 |
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Rumänien 2009, ein Bericht von Claudia Doenitz
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Abfahrt (26.12.) - On the road again Strahlender Sonnenschein begleitet uns am Morgen des Zweiten Weihnachtsfeiertages nach Landshut zur Abfahrt der Weihnachtstrucker 2009. Mit elf Lkw stellen wir den grössten Konvoi in diesem Jahr und werden in den nächsten Tagen etwa 15.000 Hilfspakete im Umkreis des rumänischen Odorheiu Secuiesc, Siebenbürgen, verteilen. In einem logistischen Kraftakt hat das vor Ort ansässige deutsche Ehepaar Flöck vom LIA Rumänienhilfe e.V. über ihr lokales Partner-Netzwerk die Verteilung vorbereitet und erwartet uns am nächsten Abend. Rumänien... Ceauşescu, Kinderheime, Dracula – mehr vermag kaum ein Fahrer mit diesem Land zu verbinden. Nur ein paar von uns haben die Weihnachtstrucker vor Jahren bereits nach Westrumänien begleitet und berichten von haarsträubenden Zuständen. Hat der Beitritt zur EU Besserung gebracht? Wie steht es um die zahllosen Kinder, deren Leid so manchem aus bewegenden Dokumentationen noch in Erinnerung ist? Sind die Spuren der großen Flutkatastrophe 2005 inzwischen verblasst? Wir sind gespannt...
Frisch gestärkt und unter dem Jubel hunderter Angehöriger und Schaulustiger treten wir mit dem Segen von Pfarrer Wolfgang Scheidel gegen 13 Uhr unsere Reise an.
Grenzerfahrung (27.12.2009)
Tag 2 beginnt nach einer frostigen Nacht auf einem Rastplatz kurz vor Budapest. Wir liegen gut in der Zeit und sind zuversichtlich, unser Ziel tatsächlich am frühen Abend zu erreichen. Dieser Plan wird jedoch bei der Ausreise von einer ungarischen Waage durchkreuzt: Während die Gesamtlast noch bei der Einreise für zulässig befunden wurde, haben wir uns nun einer Ordnungwidrigkeit schuldig gemacht – zwei Trucks haben die Last auf einer Achse überschritten, ein unsäglicher Papierkrieg beginnt. Nach einer zunächst willkommenen Pause trennt sich der Konvoi nach vier Stunden Warten: acht ohne Beanstandung abgefertigte LKW treten die Weiterfahrt an, die beiden Übergewichtigen, Konvoileitung und Begleitfahrzeug erdulden gut drei weitere Stunden zäher Verhandlungen und dürfen schließlich kurz nach 19 Uhr weiterfahren. Im Dauerregen folgen wir den Kollegen schließlich die restlichen 500 Kilometer durch das stockfinstere Rumänien.
Zielgebiet (28. - 30.12.)
Um 7 Uhr lernen wir bei der Lagebesprechung zum Frühstück Elke und Herbert Flöck kennen. Die Nacht steckt allen noch in den Knochen, doch die beiden vermögen unsere Lebensgeister zu wecken: seit nunmehr 17 Jahren engagiert sich das rheinländische Paar unermüdlich für Kinder, Behinderte und verarmte Familien in der Region, hat Familienhäuser, Behindertenwerkstätten und ein ganzes Jugenddorf aufgebaut. Sie arbeiten mit Kinder- und Altenheimen, Kirchen, Ärzten und Ordensschwestern zusammen und versuchen auf diesem Wege, das Leid und die Wunden aus der Ära Ceauşescu zu heilen oder zumindest zu mildern. Wir hören vom Verhütungsverbot und der damals propagierten Fünf-Kinder-Politik, die – weil die Eltern ihre Großfamilien nicht versorgen konnten – zur katastrophalen Überfüllung der Kinderheime führte. Vernachlässigung, Unterernährung, fehlende Zuwendung, Missbrauch und Gewalt brachten unter anderem eine ungeheure Zahl von körperlich und seelisch Behinderten hervor. Diese als „Nullkinder“ bezeichneten jungen Erwachsenen fallen heute aus dem System und würden ohne die Hilfe des deutschen Ehepaares auf Lebenszeit in der Psychiatrie verwahrt. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, Pädagogen und einem engen sozialen Netzwerk werden die „Nuller“ aufgefangen, für einfache Arbeiten qualifiziert und auf ein selbständiges Leben vorbereitet.
Die Zustände in den Heimen haben sich auf zunehmenden öffentlichen Druck hin zwar maßgeblich verbessert, dennoch gibt es noch immer viel zu viele verstoßene Kinder. In von den Flöcks initialisierten Familienhäusern nimmt sich ein Elternpaar ihrer an, betreut sechs Kinder aller Altersstufen und ermöglicht erstmals so etwas wie ein Familienleben. Hinzu kommen vor allem in den ländlichen Regionen unzählige Alte, die mit einer winzigen Rente zwischen 50,- und 100,- Euro auskommen müssen; Lebensmittel sind teurer als in Deutschland.
Der von den Flöcks gegründete LIA Rumänienhilfe e.V. engagiert sich für all diese Opfer des untergegangenen Regimes und schafft Arbeitsplätze innerhalb seiner zahlreichen Projekte. Doch die Ressourcen sind knapp, der Lebensstandard niedrig. Die Hälfte des Jahres verbringen Elke und Herbert auf Vortragsreisen in Deutschland, klären auf und mobilisieren Spenden für ihre Hilfsprojekte in Rumänien.
Kein Zweifel, unsere Hilfe kommt an! Csaba und Ildiko, rechte Hand der Flöcks vor Ort, haben die Verteilung wochenlang vorbereitet, Listen erstellt, Lotsen, Dolmetscher und Ladehelfer organisiert. Wo immer wir in den folgenden Tagen zum Abladen auftauchen, wohin auch immer uns widrige Strassen- und Witterungsbedingungen auch führen, wir werden erwartet. Wir besuchen die verschiedenen Einrichtungen, verursachen Menschenaufläufe auf Dorfplätzen, stehen fassungslos in erbärmlichen Behausungen und lernen Menschen wie die deutsche Ordensschwester Michaela kennen, die seit 18 Jahren in einem Kloster Kinder betreut und eine Armenküche betreibt. Ärzte, Pfarrer, Gemeindevorsteher, Bürgermeister, Schulrektoren, Heimleiter, Betreuer und natürlich die Hilfsbedürftigen selbst – sie alle empfangen uns mit offenen Armen, die Resonanz ist überwältigend! Viele sind vom Leben gezeichnet, die Lebensbedingungen erschütternd, die Armut in ihren Gesichtern abzulesen. Die Offenheit und Freude, mit der Sie uns begegnen, ist unglaublich und sehr bewegend. Ein Hilfspaket aus Deutschland mag vielleicht nur kurzzeitig Abhilfe schaffen, aber all diesen Menschen zu Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten, signalisiert vor allem eines: Wir haben euch nicht vergessen!
Und spätestens als bei unserer Abreise bei gestandenen Männern wie Csaba und Herbert die Tränen fließen, schnürt es uns die Kehlen zu. Es gibt noch viel zu tun in Rumänien und es braucht Menschen wie Elke und Herbert Flöck, die wirklich etwas bewegen und vor Ort konkrete Hilfe leisten. Ihre Pakete haben dabei geholfen, vielen Dank! Claudia Doenitz www.cladografie.de
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Bericht Rumänien 2003 Bericht Rumänien 2002
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Druckbare Version
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