Bericht Rumänien 2004

Es ist wie es ist!

Bitte nehmt euch Zeit diesen Bericht unten im Anschluss zu bewerten, vielen Dank.

Irgendwie fehlen mir die Worte zu unserer Fahrt nach Rumänien 2004. Es ist schwer die Eindrücke niederzuschreiben bevor man sie richtig verarbeitet hat. Jeder der mich etwas näher kennt weiß, das ich nun seit ‘99 den Weihnachtstrucker nach Rumänien mitfahre, und dennoch kehre ich jedesmal mit extrem gemischten Gefühlen nach Hause zurück. Auf der einen Seite ein zufriedenes Gefühl etwas gutes....etwas wichtiges getan zu haben, auf der anderen Seite die Gewissheit, das sich das Thema Armut in diesem Land auch in den nächsten Jahren nicht einfach so beseitigen lässt.

Ich werde einfach versuchen, meine Gefühle zu schildern. Die Fotos auf den anderen Seiten sprechen ihre eigene Sprache, deshalb möchte ich sie auch nicht kommentieren, da jeder Kommentar ablenken würde.

Wieder einmal hat sich herausgestellt, das ein zusammengewürfelter Haufen, sich - zum Teil fremder Personen, mehr Zusammenhalt zeigt, als große und mächtige Personen in diversen Vorstands,- oder Geschäftsetagen das je könnten. Entschlossenheit mit einer gehörigen Portion Herz, das ist es was einen Weihnachtstrucker ausmacht. Ein jeder startet als harter Kerl den kaum etwas erschüttern kann, und fast jeder kommt mehr oder weniger ernüchtert von der Tour zurück. Eine solche Fahrt in die Armenregionen Europas, ist mehr als nur ein kurzer Trip um etwas abzugeben. Beim Blick in die suchenden, wartenden Kinderaugen, jagt es einem auch noch so harten Kerl Schauer über den Rücken.

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Leid und Elend gesehen auf den verschiedensten Hilfstransportfahrten, und jede Fahrt hat mir eine Lektion MEHR erteilt, hat mich geprägt und aus mir einen anderen Menschen gemacht. Man erfährt als Fremder in Rumänien eine Offenheit und Herzlichkeit, wie man sie aus dem ‘normalen’ Leben nicht kennt. Man beginnt, diese Art von entgegengebrachter Achtung automatisch auch hier, zurück in der Heimat anzuwenden, nach meiner Erfahrung zumeist erfolglos. Es ist eine Art Ohnmacht die einen befällt wenn man erkennen muß, das das- was in einem Land wie Rumänien so ganz von selbst zu funktionieren scheint, zuhause in der hochtechnisierten Realität, schon kaum mehr möglich ist. Ich weiß, jeder sieht das anders, meistens diejenigen...denen es nicht mal im Traum einfallen würde, sich solchen Strapazen auszusetzen. Die sich am Fernseher zuhause lieber das Elend aus sicherer Entfernung ansehen statt etwas zu bewegen. Der Grund liegt auf der Hand,..den Fernseher kann man einfach abschalten! Das wahre Elend aber ist nicht so bunt und steril wie das Fersehbild, es ist allgegenwertig, es riecht und man kann es fühlen, es schreit einen förmlich an, es brüllt einem ins Ohr und zwingt uns hinzusehen, und wenn man sich versucht abzuwenden ist es dennoch da. So schlimm kann das garnicht sein, würden Sie vielleicht sagen, - ist es doch, und das mußten wir auch in diesem Jahr wieder erfahren, aus diesem Grund erzähle ich hier von einem Erlebnis während der Verteilung der Pakete:

Wir waren in einer kleinen Gemeinde mit der Verteilung der Pakete soweit fertig, es war schon dunkel geworden und nur wenige Pakete blieben auf dem LKW. Es war unser sechstes Dorf und wir waren ziemlich geschafft. Roland Heinrich und ich hatten einige Helfer aus Bistrita mit dabei. Titus, Rebecca, Cristi und Julia hatten kräftig mitgeschleppt, und uns allen stand gegen Ende der Schweiß auf der Stirn. Der Bürgermeister des Ortes lud uns ein, mit hochzukommen in sein Büro, wo einige Frauen des Dorfes etwas zu essen für uns vorbereitet hatten. Wir nahmen gerne an, denn mit der Dunkelheit kam auch die Kälte, und wir hatten den ganzen Tag noch nichts gegessen. Während wir aßen, erzählte uns der Bürgermeister von seinem Ort, von den Problemen und Nöten die das Leben in diesen ärmeren Dörfern extrem schwer machten. Titus und Cristi übersetzten uns alles ins englische und wir hörten interessiert zu. Gegen Ende des Essens fragte ich den Bürgermeister, ob es denn in der Ortschaft eine Familie gibt, die am ärmsten dran ist. Er mußte nicht lange überlegen, denn er sagte sofort...”Ja, da ist eine Familie ganz am Ende des Ortes draußen, die lebt in einer Kammer in einem Stall, die haben weniger als nichts!” Wir sahen uns alle an und uns war klar, - auch wenn es schon spät ist, wir haben noch ein paar Pakete und wir fahren auf jeden Fall da noch hin. Wir bedankten uns für das Abendessen und verließen das warme Büro in Begleitung des Bürgermeisters. Er ließ es sich nicht nehmen mitzukommen.

Am Ende des Ortes angekommen, hielten wir an der Einmündung eines löchrigen Feldwegs. Man konnte den Hof von der Straße aus nicht sehen, es brannte nirgendwo Licht, es war stockfinster. Wir nahmen einige Taschenlampen und holten mehrere Pakete aus dem LKW. Tagsüber hatten wir immer wieder einige Pakete auf die Seite geschoben auf denen stand ‘Nur Süßigkeiten’ oder ‘Nur Nudeln’ bzw. ‘nur Kleidung für 3-6 Jahre’. Wir nahmen auch die mit. Jeder nahm sich ein Paket auf die Schultern und im dünnen Schein der wenigen Taschenlampen stolperten wir über den- zum Teil vereisten, holprigen Feldweg die ungefähr 150 m hoch zum Hof. Der Bürgermeister klopfte an eine niedrige Holztür auf der Rückseite des Gebäudes. Eine Frau öffnete von Innen die Tür. Nach einer kurzen Begrüßung traten wir in den kleinen Raum der nur durch eine Petroleumlampe beleuchtet wurde. Die Lampe war so schwach, daß nicht einmal ein kleiner Lichtstrahl nach draußen fiel. Wir wollten eigentlich alle hineingehen aber es ging nicht. Der Raum war gerade mal 10 qm groß. Rechts neben der Eingangstür stand eine alte Couch, auf der linken Seite ein etwas breiteres Bett, notdürftig aus Holzbrettern zusammengenagelt. Auf der Couch saßen drei kleine Jungen und auf dem Bett lag ein Baby und schlief. Wir stellten einige Kartons auf den Boden zwischen Couch und Bett, somit war der Raum voll ausgefüllt, es war gerade noch soviel Platz, das wir noch zu viert stehen konnten, mehr nicht. Viel bewegen war auch nicht drin. Wir öffneten zwei Kartons im Schein der Taschenlampen, denn im Licht der alten Petroleumlampe hätten die Kinder nicht sehen können was wir ihnen hier bringen. Nach und nach nahm Rebecca einiges aus den Kartons und erzählte den Kindern was das ist. Als einige Plüschtiere zum Vorschein kamen, gab sie den Kleinen jeweils eins in die Hand. Im Schein der Taschenlampe strahlten die Augen der Jungen wie ich es kaum zuvor einmal gesehen hatte. Soetwas haben sie noch nie besessen, sagte uns die Mutter, die Ihre feuchten Augen kaum verbergen konnte.

5 Kinder leben hier mit ihren Eltern auf zehn Quadratmetern, feuchte Wände, nur ein kleines Fenster, ein altersschwacher Holzofen, eine Couch und ein Bett und nur durch eine dünne Trennwand von den Kühen getrennt die ihnen noch nichteinmal selbst gehören.

So komme ich wieder zu meinen Worten.... das wahre Elend riecht, es schreit einen förmlich an, es brüllt einem ins Ohr, und zwingt uns hinzusehen...und es hat keinen Knopf um es einfach abzuschalten. Die Bilder zu dieser Fahrt erzählen, was meine Worte nicht konnten.

In diesem Sinne.....

Allen ein Gutes neues Jahr, - Andreas Jutzi.



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Bericht Rumänien 2003

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